Gedankenlyrik

Ge|dạn|ken|ly|rik 〈f. 20; unz.; Lit.〉 Lyrik als betonter Ausdruck von Gedanken, (bes. weltanschaul.) Vorstellungen, Idealen usw., doch (im Unterschied zur Lehrdichtung) immer verbunden mit innerem, gefühlshaftem Erleben

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Gedankenlyrik,
 
vorwiegend reflektierende Lyrik, die vielfach im weitesten Sinn weltanschauliche Gedankengänge gestaltet; der Begriff ist problematisch, da er von einem zu engen Lyrikverständnis (Erlebnislyrik) ausgeht. - Gedankenlyrik gilt als ein besonders in der deutschen Lyrik verbreitetes Phänomen. Ihre Themen entstammen meist theologischem und philosophischem Denken, im Mittelalter und in der Aufklärung oft mit didaktischen Elementen. Gedankenlyrik begegnet im Mittelalter in der höfischen Lyrik (Friedrich von Hausen, Walther von der Vogelweide) und in der Spruchdichtung (Walther von der Vogelweide, Freidank), in den Sonetten und Epigrammen des Barock (M. Opitz, A. Gryphius, P. Fleming, F. von Logau), in der Dichtung der Aufklärung (B. H. Brockes, A. von Haller, F. G. Klopstock, G. E. Lessing, C. M. Wieland u. a.) und in der Lyrik Goethes (»Geheimnisse«, veröffentlicht 1789; »Metamorphose der Pflanzen«, 1799; dann etwa in den späteren Sammlungen »Gott und Welt«, »Parabolisch«, »Epigrammatisch« und im »West-östlichen Divan«, 1819). Höhepunkt der Gedankenlyrik sind die so genannten philosophischen Gedichte Schillers (u. a. »Die Götter Griechenlands«, 1788; »Das Ideal und das Leben«, 1795; »Der Spaziergang«, 1795; »Die Künstler«, 1789); es folgen F. Hölderlin, F. Grillparzer, F. Hebbel, F. Rückert, F. Nietzsche, S. George, R. M. Rilke u. a. - Bedeutende Vertreter der Gedankenlyrik sind in Großbritannien G. Byron, J. Keats, P. B. Shelley, T. S. Eliot, in Frankreich A. de Vigny, P. Valéry, in Italien G. Leopardi.
 
 
A. Todorow: G. (1980).

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Ge|dạn|ken|ly|rik, die (Literaturw.): Lyrik, die bestimmte Gegenstände, bes. weltanschauliche Zusammenhänge u. Ä., weniger durch eine bildhafte Sprache, sondern in erster Linie durch die Entwicklung rationaler Gedankengänge bzw. argumentativ darstellt.

Universal-Lexikon. 2012.

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